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GWS Geschichtswerksttte GmbH Das Jahr 1291
     

1. Der Tod König Rudolfs zwingt die Innerschweizer Führungsgruppen, die Interessen der Waldstätten selbst zu wahren.
2. Die lokale Oberschicht will die bestehende Ordnung und Herrschaftsstruktur erhalten.
3. Die Waldstätten beschliessen gegenseitige Hilfe, aber die örtlichen Interessengegensätze bleiben bestehen.
4. Habsburg zeigt wenig politisches Interesse an der Innerschweiz und baut in den Waldstätten keine Machtstellung auf.
5. Im langen Enstehungsprozess der Eidgenossenschaft kommt dem Bundesbrief von 1291 geringe Bedeutung zu.

König Rudolf

Am 15. Juli 1291 stirbt König Rudolf in Speyer. Etwa zwei Wochen später entsteht der Bundesbrief. Der Tod des Königs und die Unsicherheit über die königslose Zeit gelten als Anlass für das Bündnis der Waldstätten.
Rudolf bewies schon als Graf, dass er zu regieren, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, vermag. Seine Präsenz in der Innerschweiz machte ihn zu einem geschätzten Herrscher. Sein Tod brachte die bestehende Ordnung zum Einsturz, denn sein Schutz würde in Zukunft ausbleiben.
In dieser Situation ergreifen die führenden Innerschweizer Familien die Initiative, um den Frieden zu wahren. Der Bundesbrief ist nicht als Befreiung von Willkürherrschaft zu verstehen, sondern als Aktion gegen die habsburgische Interessenlosigkeit. Man traut Habsburg die effiziente Wahrnehmung von Schutz und Schirm nicht mehr zu und will sich selbst darum kümmern. Aus diesem Bedürfnis nach gegenseitiger Hilfe erwächst der Bundesbrief.

Grabplatte König Rudolfs I. von Habsburg im Dom von Speyer.
Bergfried der Feste Laufenburg. Auf dieser Burg sassen die Grafen von Habsburg-Laufenburg, die 1291 zu den politischen Gegnern des Hauses Oesterreich zählten.

Der Bundesbrief von 1291: Einigkeit auf Widerruf

Wo die Urkunde entstanden ist, wissen wir nicht. Sie trägt noch die Siegel von Uri und Nidwalden, jenes von Schwyz fehlt. Der in der Urkunde genannte Eid gilt nur für die beim Abschluss des Bundes Anwesenden.
Über die Hälfte der Artikel bezieht sich auf die Wahrung des Landfriedens. Zwist unter den Verbündeten soll durch die Eidgenossen selbst geschlichtet werden. Sie sorgen auch für die Durchsetzung des Schiedsspruchs. In Artikel 1 geloben sich die Leute von Uri, Schwyz und Nidwalden gegenseitige Unterstützung bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Ein konkreter Gegner wird nicht genannt. Artikel 2 nimmt auf einen älteren Bund bezug, ohne dessen Datum und Inhalt zu nennen.
Artikel 3 garantiert die bestehenden Rechts-, Besitz- und Untertanenverhältnisse. Hier treten die Interessen der lokalen Oberschicht genauso deutlich hervor wie in Artikel 4. Dieser bestimmt, dass kein Richter zugelassen werden soll, der sein Amt erkauft hat oder kein Einheimischer ist.
Der 12. und letzte Artikel besagt, dass die Abmachungen unbefristet gelten sollen. Das heisst, dass sie bis auf Widerruf Gültigkeit haben.

Bundesbrief der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden von Anfang August 1291. Das Schwyzer Siegel fehlt.

Petschaft und Siegelabdruck von Unterwalden. Ursprünglich für Nidwalden, seit dem 14. Jh. auch für Obwalden gültig.

Schlacht bei Winterthur. Sieg der österreichischen Truppen über die Zürcher im Jahre 1292. Spiezer Chronik des Diebold Schilling, um 1480.

Interessengemeinschaft Waldstätten

Der Bund der drei Orte wird gern als Ausdruck von politischer Geschlossenheit und Einigkeit dargestellt. Der grösste Teil des Bundesbriefs bezieht sich aber auf die Wahrung des Friedens nach innen und nach aussen. Das kann nichts anderes bedeuten, als dass der Frieden konstant bedroht war und deshalb Vorkehren zu seiner Wahrung oder Wiederherstellung getroffen werden mussten. Neben Blutfehden wissen wir von zahlreichen Grenz- und Nutzungskonflikten.

Der Inhalt des Bundesbriefs und das historische Umfeld lassen völlig offen, wie sich das Bündnis weiterentwickeln sollte.

Burgruine Attinghausen, Sitz der im 13. und 14. Jh. mächtigsten Adelsfamilie im Lande Uri.

Burgturm Rudenz in Flüelen. Um 1300 an der Zollstätte des Gotthardverkehrs errichtet.

Minnesänger Rudolf von Rotenburg. Angehöriger einer im Luzernbiet ansässigen, in Unterwalden begüterten Adelsfamilie.

Pflichten der Landesherrschaft

Die Innerschweiz liegt am Rand des habsburgischen Interessenbereichs. Deshalb nimmt Habsburg die aus Königtum und Landgrafschaft entspringende Schutz- und Schirmpflicht kaum wahr. Wegen der wirtschaftlichen und politischen Randlage der Innerschweiz verzichten die Habsburger auf den Aufbau einer Machtposition. So fehlen in den Waldstätten habsburgische Stadt- und Burgengründungen.
Zwischen Habsburg und den Waldstätten besteht um 1300 keine Konfliktsituation. Die einheimische Oberschicht schliesst im Bundesbrief von 1291 ein Selbsthilfeabkommen. Dieses ist nicht gegen Habsburg gerichtet.
Viele lokale Machthaber bleiben mit Habsburg verbunden, denn im habsburgischen Dienst zu stehen verspricht Macht und Einfluss.

Ueberfall auf einen Kaufmannszug. Die Inhaber von Zollrechten waren verpflichtet, die Strassen frei von Räubern zu halten.

Viehraub im Rahmen einer Ritterfehde.

Die Berner vernichten 1375 bei Fraubrunnen fremde Kriegerscharen und Übernehmen so landesherrliche Schutz- und Schirmfunktionen.

1291 - Keine Staatsgründung !

Im Bundesbrief von 1291 wird ein älterer Brief erneuert. Dies ist Grund genug zu fragen, ob es sich beim Bund von 1291 tatsächlich um die Gründung der Eidgenossenschaft gehandelt hat.
Ein Gründungsakt würde bedeuten, dass etwas Neues aus dem Nichts entsteht! Um 1300 sieht es in der Innerschweiz jedoch wesentlich anders aus: Bereits vor 1291 bestehen Kontakte unter der lokalen Führungsschicht. Die gemeinsamen Interessen führen aber noch nicht zu einer staatlichen Zusammengehörigkeit. In den zahlreichen Konflikten verfolgen die Orte nach wie vor ihre eigenen Ziele. Der Bundesbrief schränkt die Vertragsfreiheit nicht ein.
Der grösste Teil des Bundesbriefs bezieht sich auf die gegenseitige Hilfe im Kriegsfall und die Wahrung des Landfriedens. Von der Gründung eines Staates mit Regierungsgewalt, Souveränitätsrechten und einem eigenen Territorium ist man noch weit entfernt. Der Inhalt des Bundesbriefs und das historische Umfeld lassen völlig offen, wie sich das Bündnis weiterentwickeln sollte.

Inselburg Schwanau. Landesherrliche Burg der Grafen von Kyburg, um 1250 verlassen.

Turm bei Morgarten. Die Schwyzer Landesbefestigungen reichen bis um 1320 zurück.

Verleihung der Reichsunmittelbarkeit durch einen kaiserlichen Boten an die Abgesandten der drei Waldstätten. Diese Szene wird oft als "Rütlischwur" missdeutet. Schweizer Chronik des Petermann Etterlin, 1507.