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GWS Geschichtswerksttte GmbH Der Alltag
     
Bäuerliche Tätigkeiten im Ausgang des Mittelalters.
Fastnachtstanz in der Innerschweiz.

Die Bauern

Ein Grossteil des einfachen Volks in der Innerschweiz lebt von Landwirtschaft, doch gibt es auch Handwerker und Angehörige von "Dienstleistungsberufen". Die Lebensbedingungen der Bauern unterscheiden sich je nach Rechtsstellung und Grundbesitz erheblich.
Nur ein Teil der Innerschweizer Bauern ist frei, das heisst keinem Grundherren unterstellt. Einige wenige von ihnen gehören der politischen Führungsschicht an. Andere fristen, besonders wenn sie auf marginalen Böden sitzen, eher eine kleinbäuerliche Existenz ausserhalb des grundherrlichen Schutzes.
Unter den Unfreien gibt es bedeutende Unterschiede im Grad der Abhängigkeit. Die Gotteshausleute, also die Untertanen eines Klosters, erfreuen sich meist einer günstigen Rechtsstellung. Die Unfreien sind in ihrem Recht der Eheschliessung, das auf die Angehörigen der jeweiligen Genossame begrenzt bleibt, ausserdem in ihrer Freizügigkeit, im Erbrecht und im Güterverkauf eingeschränkt. Diese Beschränkungen können gegen eine Gebühr abgelöst werden. Die Unfreien geniessen für sich sowie ihr Hab und Gut grundherrlichen Schutz.

 

Lokale Oberschicht

Repräsentative Wohnbauten aus Stein wie Burgen und Wohntürme deuten auf das Vorhandensein einer vornehmen Oberschicht in den Waldstätten hin.
Einige dieser der politischen Führungsschicht der drei Länder angehörenden Familien stehen als ritterliche Ministerialen im Dienst von Klöstern oder von auswärtigen Dynasten. Die meisten Familien aus der Innerschweiz verfügen bereits beim Eintritt in den klösterlichen oder dynastischen Dienst über eine vor allem auf Grundbesitz abgestützte Machtstellung. Sie ist notwendig, um bei der Wahrung der Interessen des fernen Grundherren vor dem Volk mit der gehörigen Autorität auftreten zu können.
Es gibt jedoch auch Angehörige der politischen Führungsschicht, die als unabhängige Grossbauern leben und ihre Machtstellung durch den Bau eines Wohnturms, durch das Tragen des Titels "Herr" und das Führen von Wappen und Siegel zur Schau stellen.
Zwischen den freien Dorfmagnaten und den ritterlichen Dienstleuten bestehen enge Verflechtungen, nicht zuletzt dank gegenseitigen Heiratsverbindungen. So bildet sich im 13. Jahrhundert ein Herrenstand heraus. Dieser verfügt über einen grossen Teil des nutzbaren Bodens als Eigen, Lehen oder Amtsgut und hat die wichtigen Ämter, vor allem dasjenige des Landammanns, sowie die Vogts- und Gerichtsbefugnisse inne.

gewappneter Ritter
Helm
Fragmente von Ofenkacheln aus der Burg Attinghausen (14. Jh.). Oben Widder, unten turnierender Ritter (Histor. Museum Altdorf).
Burg Schweinsberg
Ansicht von Schwyz im 16. Jh. Herausragende Bauten: Kirche und Wohnturm.
Burgturm Silenen
Höfli von Stans
Johann von Ringgenberg

Der Bundesbrief - die Verantwortlichen

In der Innerschweiz leben um 1300 zirka 15'000 Menschen. Etwa 90 % von ihnen machen das einfache Volk aus. Es wäre falsch, sich diese Menschen als demokratisch Gleichberechtigte vorzustellen.
Neben der Oberschicht, die die wichtigen Ämter innehat, gibt es auch innerhalb der bÄuerlichen Bevölkerung erhebliche Unterschiede in Rechtsstellung, Grundbesitz und Herkunft. Diese differenzierte Gesellschaft ist geprägt durch Abhängigkeiten und Beziehungen, die es verbieten, von demokratischen Institutionen mit freier Meinungsbildung auszugehen.
Es steht fest, dass der Bund von 1291 auf Betreiben der lokalen Führungsschicht hin geschlossen worden ist. Wie gross der Anteil der breiten Bevölkerung am politischen Prozess der Bildung und Festigung der Eidgenossenschaft war, bleibt schwer abzuschätzen. Beschlüsse von politischer Tragweite werden von den lokalen Machthabern unter Wahrung ihrer eigenen Interessen gefasst. Ihre Verwirklichung hängt aber von der Zustimmung der breiten Bevölkerung ab. Politische Entscheidungen kann das Volk selbst nicht treffen, wohl aber zu Fall bringen. Die Bundesbriefe, wichtige Marksteine im Entstehungsprozess der Eidgenossenschaft, werden nicht von der Masse der Landleute beschlossen, aber offensichtlich von ihnen gutgeheissen und begrüsst.

Landwirtschaft

Schafe auf der Charetalp.
Rinder auf der Brüchalp.
Reste von Ackerfluren im Urserental.

Zur Zeit der Entstehung der Eidgenossenschaft ist die Innerschweiz noch kein reines "Hirtenland". Neben der Vieh- und Milchwirtschaft gibt es einen blühenden Getreide-, Garten- und Weinbau.
Getreide wird vor allem in der Ebene angebaut. Bei den Getreidesorten überwiegt die Gerste, die bis in höhere Lagen gedeiht. Aber auch Hafer und Dinkel sind bezeugt. In den Gärten werden Kräuter, Gemüse und Obst gezogen.
Welche Geräte eingesetzt werden können, hängt wie die angebaute Sorte von den naturräumlichen Gegebenheiten ab. In den grossen Gütern der Ebene kommt seit dem 12. Jahrhundert der von Ochsen gezogene Räderpflug zum Einsatz. In abschüssigem oder steilem Gelände wird der altertümlichere Hackpflug oder gar die Hacke eingesetzt. Geerntet wird mit der Sichel.
Um 1200 ist der Höhepunkt der Getreideproduktion bereits erreicht; von da an nimmt die Viehzucht immer stärker zu.
Charakteristisches Merkmal der Vieh- und Milchwirtschaft im Alpenraum sind die jahreszeitlich bedingten Wanderbewegungen zwischen den Niederungen der Dauersiedlungen und den Weiden oberhalb der Waldgrenze.

Ernährung

Die Vielfalt der Eigenproduktion prägt die Ernährung. Neben der Landwirtschaft spielen Jagd und Fischerei eine wichtige Rolle.
Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Ernährung in den Dauersiedlungen der Niederungen von jener auf der Alp unterscheidet. In den Alpsiedlungen wurde zum Beispiel kein Kochgeschirr gefunden. Es ist anzunehmen, dass Milchprodukte und aus dem Tal mitgebrachtes Brot die Hauptnahrung auf der Alp ausmachten.
Eine aus Gerste zubereitete Suppe und der Haferbrei bilden die Alltagsspeise im Tal. Zur Anreicherung werden Gemüse und Gewürze aus dem Garten verwendet. Das heisst, dass Brot eher nicht zum alltäglichen Speisezettel gehört. Man trinkt vor allem Wasser; ausserdem Milch und Wein. Für die Fleischversorgung ist die Jagd von entscheidender Bedeutung, wofür die in bäuerlichen Siedlungen gefundenen Gemsknochen sprechen. Das ganze Jahr hindurch machen Fische aus dem Vierwaldstättersee einen wichtigen Bestandteil der Ernährung aus.
Die Innerschweiz ist nicht selbstversorgend, sie ist auf den Import von Getreide, Salz und Wein angewiesen.

Eggender Bauer im Mittelland. Ein grosser Teil des Getreidebedarfes der Innerschweiz muss schon um 1300 importiert werden.SFahrbarer Backofen.Vorratskeller des Spätmittelalters.
Handmühle
Verkaufsstände für Fische
ieden von Würsten

Handel

Die Vielseitigkeit der Landwirtschaft bewahrt die Bevölkerung der Innerschweiz vor eigentlichen Hungerkatastrophen. Doch die Innerschweiz ist nicht selbstversorgend, sondern auf den Handel mit Nahrungsmitteln angewiesen.
Im 13. Jahrhundert werden erste Versuche unternommen, Überschüsse an Vieh und Käse für den Export zu produzieren. Seit dem 13. Jahrhundert wird Getreide immer knapper und muss importiert werden. Auch qualitativ besserer Wein aus dem Elsass wird eingeführt. Ausserdem müssen gewerbliche Rohstoffe wie Eisen auswärts eingekauft werden.
Ein wichtiges Importprodukt ist das Salz, welches zur Konservierung von Fleisch und für die Käseherstellung in grossen Mengen benötigt wird. Versorgungszentrum für die Innerschweiz ist Zürich.

Unfallgefahr im Gebirge. Eine Saumtierkolonne wird verschüttet.
Schnitzturm bei Stansstad
Zweiachsiger Karren
Spätmittelalterliches Lastschiff

Kleidung

Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies. Charakteristische Arbeitsteilung der ländlichen Bevölkerung.
Bauer beim Schneiden von Zweigen.
Zwei adlige Herren
Hirte mit Schutzmantel

Der Stand der Menschen ist durch die Kleidung auf den ersten Blick erkennbar. Die Angehörigen der breiten Volksschichten tragen schlichte, meist braune oder graue Kleider. Die Vornehmen dagegen kleiden sich in bunte Gewänder.
Besonders die Hirten schützen sich durch Kapuzen- und Woll- oder Pelzumhänge gegen die Unbill der Witterung. Am Gürtel hängen Taschen und Messer, vielleicht auch Schwerter.
Die Männerröcke reichen etwa bis zum Knie, die Frauenröcke sind länger, aber kurz genug, um körperliche Arbeit nicht zu behindern. Vornehme Damen tragen bodenlange Röcke.
Wenn immer möglich, geht man barfuss. Gegen Kälte schützt der derbe, am Knöchel geschnürte Bundschuh, gegen Geröll der nagelbeschlagene Holzschuh.
Für festliche Anlässe orientiert sich die Tracht der bäuerlichen Bevölkerung - je nach Vermögen - an der Kleidung der vornehmen und städtischen Bevölkerung.


Wohnen

Bis ins 13. Jahrhundert hinein wohnt die breite Bevölkerung der Innerschweiz in Einraumhäusern. Diese bestehen aus einem einzigen, ebenerdigen Wohnraum mit offenem Dachstuhl. Eine Feuerstelle, meist in einer vorderen Ecke, dient zum Kochen und Heizen. Die aus Reisig, Laub und Stroh hergerichtete Schlafstätte liegt im hinteren Teil des Hauses. Die geringe Innenfläche von fünf bis zehn Quadratmetern bietet für Mobiliar sehr wenig Raum. Vorräte und mancher Hausrat werden deshalb ausserhalb des Hauses in gedeckten Gruben, in Höhlen oder Speichern gelagert.
Gelegentlich werden zu Wohn- und Wirtschaftszwecken auch Höhlen benutzt.
Da es im Innern der Wohnbauten eng und finster ist, spielt sich ein grosser Teil des Alltagslebens im Freien unter einem schützenden Vordach ab.
Im 13. Jahrhundert vollzieht sich im ländlichen Hausbau der Innerschweiz ein rascher Wandel. Einerseits wird das alte Einraumhaus mit engem quadratischen Grundriss durch einen etwas grösseren Bautyp mit rechteckigem Grundriss ersetzt. Zudem kommen längliche Bauten mit ein oder zweifacher Querunterteilung, vielleicht einer Trennung von Küche und Wohnraum, auf.

Inneres eines einräumigen Wohnbaues aus dem Hochmittelalter. Blumenhütte ob Hospental.
Charakteristischer Hausrat
Reste eines Einraumhauses

Bessere Häuser für die reichen Bauern

Neben den bäuerlichen Einraumhäusern sind in der Innerschweiz Wohnhäuser gefunden worden, die sich dendrochronologisch auf die Zeit um 1300 datieren lassen. Es handelt sich um geräumige Blockbauten über einem massiven Steinsockel mit zweistöckigem Oberbau. Auffallend ist die mehrteilige Innengliederung mit Küche, Stube und mehreren Kammern, von denen einzelne als Schlafräume dienen. Die Räume werden durch einen Gang mit Treppe ausserhalb des Gebäudes erschlossen. Das Baukonzept verrät einen sehr hoch entwickelten Wohnkomfort, der jenem der ritterlichen Wohntürme entspricht. Ohne Zweifel werden diese repräsentativen Bauten von der sozialen Oberschicht, den bäuerlichen Dorfmagnaten, bewohnt.
Diese mehrstöckigen Holzhäuser haben die städtische Wohnarchitektur des 13. Jahrhunderts zum Vorbild.
Über die Innenausstattung wissen wir wenig. In den Häusern der Oberschicht könnte um 1300 die Ofenheizung Eingang gefunden haben. Die Fensterverglasung mit Butzenscheiben kommt nicht vor dem 15. Jahrhundert auf. Die schartenartigen Fenster sind entweder offen oder mit Klappläden geschlossen. Kienspäne und Talglampen geben künstliches Licht. Das Mobiliar besteht aus Truhen und Sitzgelegenheiten, in besseren Häusern auch aus Tischen. Bettgestelle kommen erst im Spätmittelalter auf. Aborte gibt es nur in vornehmen Häusern.

Herrschaftliche Küche
Kachelofen um 1300
Mehrteiliges Wohnhaus
Innerschweizer Dorfbild um 1500.