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GWS Geschichtswerksttte GmbH Marchenstreit und Morgartenkrieg
     

Notwendige Kritik


  1. Der Ueberfall auf das Kloster Einsiedeln ist ein Racheakt der Schwyzer.
  2. Der Klostersturm provoziert Habsburg zum Handeln.
  3. Der Sieg von Schwyz am Morgarten bringt keine Entscheidung.
  4. Leopolds Absicht, die Schwyzer vom Klosterland zu vertreiben, schlägt fehl.
  5. Das Dreierbündnis erweist sich im Morgartenkrieg als ungenügend.

Überfall auf das Kloster

Der seit längerem schwelende Marchenstreit zwischen Schwyz und dem Kloster Einsiedeln flammt nach 1300 erneut auf. Diesmal nimmt das Kloster mit den Mitteln der geistlichen Gerichtsbarkeit den Kampf auf und verlangt die Exkommunikation der Schwyzer. Dem Kirchenbann hätte nach einiger Zeit die Reichsacht folgen müssen, doch Kaiser Heinrich VII stirbt im August 1313. Bevor seine Nachfolge geregelt ist, unternehmen die Schwyzer in der Dreikönigsnacht 1314 einen Überfall auf das Kloster Einsiedeln. Damit ist der Höhepunkt des Konflikts erreicht.
In der brauchtümlichen Form der Heimsuchung dringen die Schwyzer ins Kloster ein, plündern Küche und Keller, verbrennen Dokumente und Bücher, entweihen das Gotteshaus durch lästerlichen Schabernack und führen die Mönche unter wüsten Drohungen, aber ohne Misshandlungen, gefangen nach Schwyz.
Der Überfall sollte das Kloster für seine aus Schwyzer Sicht ungerechte Haltung bestrafen und das erlittene Unrecht rächen.

Viehraub durch Kriegsknechte, um 1500. Der jahrzehntelange Kleinkrieg zwischen den Schwyzern und dem Kloster Einsiedeln wird wesentlich durch das gewaltsame Wegtreiben der Viehherden geprägt.

Klostersiedlung Einsiedeln vor der Barockisierung. Nach der Luzerner Chronik des Diebold Schilling, um 1500.

Wehrturm an der Letzi von Rothenthurm. Das umstrittene Grenzgebiet wird von den Schwyzern um 1320 mit Wehranlagen gesichert.

Die Provokation Habsburgs

Nach dem Überfall auf das Kloster Einsiedeln macht sich in Schwyz Angst und Sorge breit, dass nicht allein Österreich, sondern auch die Angehörigen der gefangenen Mönche Rache nehmen könnten. Die Schwyzer werden sich gewahr, dass sie die Habsburger als Kastvögte des Klosters Einsiedeln durch ihre Tat zum Handeln herausgefordert haben. Schwyz lässt die Mönche frei und macht sich auf einen Krieg gefasst. Uri und Unterwalden halten sich zurück und schliessen im Juli 1315 mit Österreich einen Waffenstillstand.
Der planlose Kleinkrieg, der bereits im Frühjahr 1315 einsetzt, bringt keine Entscheidung. So bleibt der Streit monatelang in der Schwebe. Erst die Doppelwahl von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich zum König zieht den bisher regionalen Konflikt schlagartig in die Reichspolitik hinein. Die Eidgenossen haben sich auf die Seite Ludwigs geschlagen. In dieser Situation ist für die Habsburger eine lediglich begrenzte Aktion gegen die Innerschweiz nicht mehr denkbar.

Die Klostersiedlung Einsiedeln um 1500.

Herzog Albrecht II. von Habsburg-Oesterreich. Glasgemälde Königsfelden, um 1360.

Ruine Neu-Habsburg. Österreichisches Herrschaftszentrum am Vierwaldstätter See.

Morgarten

Habsburg ist im Augenblick, als es mit aller Macht im Marchenstreit einschreiten soll, mit gewichtigeren anderweitigen Problemen beschäftigt. Die Dynastie will nämlich versuchen, die Nachfolge des im Herbst 1313 verstorbenen Kaisers anzutreten. Dies gelingt Habsburg nur halbwegs, denn es kommt zur Doppelwahl von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Habsburg. Im Sommer 1315 beginnt Österreich unter der Leitung von Herzog Leopold, dem energischeren Bruder Friedrichs, mit den Vorbereitungen für einen grossen Schlag. Im Herbst 1315 zieht er von Zug aus gegen die Schwyzer.
Das Heer, voran die Ritter und hinten das Fussvolk, marschiert den Ägerisee entlang gegen den Übergang am Sattel. Von den Höhen beim Morgarten aus bricht der Überraschungsangriff der Schwyzer über das Ritterheer herein. Offenbar waren sie über die Absicht der Gegner informiert. Steinwürfe bringen die berittene Marschkolonne durcheinander, Halbarten fügen den unvorbereiteten Gegnern schwere Verluste zu, das Heer löst sich in wilder Flucht auf.

Graf Werner von Homberg spielte im Morgartenkrieg eine zwielichtige Rolle.

Engnis bei Morgarten. Die Befestigungen sind erst nach der Schlacht errichtet worden.


Schlacht am Morgarten, nach der Spiezer Chronik des Diebold Schilling, um 1480. Die von rechts angreifenden Eidgenossen werfen faustgrosse Steine.

Das "gottlose Bauernvolk"

Welche Ziele hat Leopold verfolgt? Er sammelt sein Heer in Zug, beabsichtigt aber nicht, nach Schwyz zu ziehen, sondern marschiert dem Ägerisee entlang direkt in das von Schwyz besetzte Gebiet des Klosters Einsiedeln. Mit der Vertreibung der Schwyzer vom klösterlichen Boden sollte der Marchenstreit ein für alle Mal zugunsten des Klosters und Österreichs entschieden werden.
Möglicherweise hat Österreich die Schwyzer, den ritterlichen Gepflogenheiten entsprechend, informiert, wo man sich zu schlagen gedenke. Die Schwyzer nehmen an, zwingen dem Kampf aber ihre eigenen Spielregeln auf. Sie halten sich nicht an die ritualisierte, ritterliche Kampfweise, mit der Leopold gerechnet hat. Ihre wirkungsvollen, um nicht zu sagen rücksichtslosen Kampfprinzipien bringen den Schwyzern den Sieg und den Ruf als "grobes, gottloses Bauernvolk" ein.
Der Marchenstreit schwelt auch nach dem Krieg weiter. Er wird erst 1350 geschlichtet und bringt den Schwyzern einen erheblichen Gebietszuwachs.

Karikierter Bauer, nach Urs Graf, Anf. 16. Jh.

Älperleben um 1600. Die charakteristischen Tätigkeiten der Viehhaltung und der Milchverwertung werden im Spätmittelalter den Eidgenossen oft zum Vorwurf gemacht.

Gertel- und Halbarteneisen, um 1300. Die Wirksamkeit der aus dem Gertel entwickelten Halbarte erweist sich erstmals im Morgartenkrieg.

Die Achtörtige Eidgenossenschaft

Der Morgartenkrieg hat die wirtschaftliche und politische Schwäche des Dreiländerbundes deutlich aufgezeigt. Die Abhängigkeit von der Einfuhr lebensnotwendiger Güter wie Getreide, Salz, Wein oder Eisen kann die Waldstätten bei einem längerfristigen Handelsembargo an den Rand des Zusammenbruches bringen. Nach dem Abschluss des Waffenstillstandes mit Oesterreich im Jahre 1318 suchen die Eidgenossen Anschluss an mögliche Bündnispartner, was allerdings in Widerspruch zu den Waffenstillstandsbedingungen steht. Denn diese gestatten nur der Herrschaft Oesterreich, weitere Bündnisse einzugehen.
Dessen ungeachtet verbinden sich schon 1323 die Urner, Schwyzer und Unterwaldner erstmals mit Bern und Glarus. 1327 treten sie dem grossen Landfriedensvertrag der rheinischen Städte bei und gliedern sich damit in ein Bündnissystem ein, das von Mainz bis an den Bodensee reicht.
"Ewige", das heisst unbefristete Bündnisse werden 1332 mit Luzern, 1351 mit Zürich, 1352 mit Glarus und Zug, 1353 - in Erneuerung des Vertrages von 1323 - mit Bern geschlossen. So bildet sich um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Eidgenossenschaft der "Acht Alten Orte". Eine territoriale Abgrenzung gegen Oesterreich bedeutet dieses Bündnissystem zunächst noch nicht. Luzern und Zug anerkennen in ihren Bundesbriefen die österreichischen Herrschaftsrechte, der Glarner Bund berührt die habsburgische Landeshoheit gar nicht, und Bern behält sich 1353 mit den übrigen Bündnisverträgen auch das Bündnis mit Oesterreich vor.
Wappenscheibe von 1554 mit dem Schwyzer Standeswappen. Der Doppelschild in Rot wird vom Reichsadler überflügelt.

Beschwörung des Luzerner Bundes von 1332 auf dem Weinmarkt.

Empfang des Kaisers durch die Berner, 1414. An der Spitze des Berner Zuges knieend die Jungmannschaft mit den Reichsemblemen.